Liebe Freunde,

liebe Gäste,

 

nein, kein Wort mehr über Gauland. Er möge in seinem erträumten „Gau-Land“ im braunen Tweed dahin sabbern. Nichts über Petri, sie muss ihr Baby stillen und mit Bayerns Horst über die Annektierung der Farbe Blau für ihre neue Partei streiten. Ebenfalls über die roten Flecken im sonst makellosen Gesicht des Redners Björn Höcke – kein Kommentar (man munkelt er sei eine mögliche Rassenmischung der Urahnen mit Indianern). Und auch das Eichhörnchen auf Trumps Kopf lasse ich in Ruhe – es ist womöglich das einzige Tier dieser Gattung, das sich vom Hirn und nicht von Nüssen ernährt – oder womöglich doch? Auch über die österreichischen Volks-Narko-Zäpfchen Kurz und Strache kein Wort; außer, dass sie mich irgendwie an das holländische Albino-Zäpfchen Geert Wilders erinnern, warum weiß ich nicht… Nichts über den Magyaren V. Orban und seinen Friseur, nichts über den polnisch-Katholischen Kreuzritter Kaczynski; wobei er wahrlich Humor beweist: er nennt seine Partei „Recht und Gerechtigkeit“! Nichts über die verhinderte Jeanne d‘Arc Marine le Pen und auch nichts über die Doktrin von Erdogan dem Großen, „wer nicht für mich ist, ist gegen mich und im Knast“. Ach ja, Wladimir P., der Muskelmann fehlt noch, aber auch über ihn kein Wort…

 

Ich erinnere mich an ein Gedicht von Brecht, das so endete: „…der Bauch ist trächtig noch/aus dem das Übel kroch“. Dass er den Faschismus meinte muss nicht noch erwähnt werden…

 

Es ist unübersehbar, es gibt einen Rechtsruck in Europa diagnostiziert die liberale Presse und verteilt – zusammen mit dem Fernsehen – rezeptfreie Erklärungspillen gegen das aufkommende, mulmige Gefühl der Demokratie-Bedrohung.

 

Herr Gott, wie schaffe ich nun den Übergang zur Paris Bar? Ein Versuch…

Seit mehr als zwölf Jahren halten wir für Sie, zur Auswahl, über vierzig unterschiedliche, unverfälschte Weine und dazu passend beste Delikatessen.

Wir haben großen Respekt vor Ihnen – und den fordern wir von Ihnen gleichermaßen. Das sind die Köder, die Sie zu uns locken (ach, die Literaturlesungen am jeweils letzten Montag im Monat, stets ab 21.43 Uhr, gehören sicher auch dazu).

 

In Wirklichkeit ist die Paris Bar ein Raum freier, befreiender Face-to-face-Kommunikation. Eine Alternative zu Facebook mit Anwesenheit als Voraussetzung. Und diese erste Seite. die Sie jetzt – hoffentlich bis zum Ende – lesen, soll Anstöße zum Denken jenseits der üblichen Phrasen geben, Anregungen für Gespräche.

 

Ich zitiere aus dem Gedächtnis Gedanken, die ich in der letzten Zeit gelesen habe: Bürger können ihre Identität untereinander bestärken, indem sie sich wechselseitig als Subjekte ihres sozialen Vorankommens anstiften und anerkennen. Oder sie bestärken ihre Identität, indem sie gemeinsam ein bedeutendes Objekt verehren. Die erste könnte man die demokratisch-kapitalistische, die zweite die national-historische Alternative nennen.

 

An der ersten Identität kann nur teilhaben, wer sich mit eigenem Risiko aktiv beteiligt. Bei der zweiten hingegen, die sich an vermeintlich gewachsenen Objektivität und Überlieferung orientiert, wird passives Festklammern prämiert.

 

Beide Identitäten setzen jedenfalls ein autonomes, handlungsfähiges Subjekt voraus. Die Existenz dieses Subjekts überhaupt, bei zunehmendem Einfluss des Internets, stellt der kluge Amerikaner Adam Greenfield in Frage. Er schreibt, dass das Internet das tägliche Leben kolonisiert, den öffentlichen Raum in ein kommerzielles Sensor-System verwandelt. Die Einbindung sämtlicher Handlungen und Geräte ins Netz sei ein Versuch, überall dort eine schnelle technische Korrektur anzubieten, wo das Kapital uns die Fähigkeit genommen hat, uns umeinander zu kümmern. Letztlich gäbe es nur ein Ziel: das Alltagsleben im allergrößten möglichen Masse zu gestalten und zu monetarisieren. Das führe, wenn die Entwicklung weiter so geht, zu einer gewissen abstumpfenden Gleichheit der Welterfahrung, bei immer größerer individueller Abkapselung.

 

Und das wäre nicht mehr das autonome Subjekt, von dem liberale Theorien ausgehen…

 

Ich hoffe, ich habe nicht widersinnig zitiert. Ach, ja…

 

Herzlich Willkommen in der Paris Bar,

Ihr Paris Kosmidis

 

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